Ratten
Rattus norvegicus, Rattus rattus
Ratten im Haus erkennen: Kot, Laufspuren, Nagespuren und Geräusche richtig deuten, Wanderratte und Hausratte unterscheiden, vorbeugen und Befall bekämpfen.
Stand: 29.10.2026
Bildnachweis: © Norvegicas · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia CommonsRatten im Haus erkennen Sie meist nicht an den Tieren selbst, sondern an ihren Spuren: spindelförmigem Kot, Schmierspuren an Wänden, Nagespuren und nächtlichen Kratzgeräuschen. In Deutschland ist fast immer die Wanderratte der Verursacher. Ein Befall sollte zügig und planvoll bekämpft werden, weil Ratten Krankheitserreger übertragen und sich schnell vermehren.
Was sind Ratten?
Ratten sind Nagetiere aus der Familie der Langschwanzmäuse. In Mitteleuropa spielen zwei Arten eine Rolle: die Wanderratte (Rattus norvegicus) und die Hausratte (Rattus rattus). Die Wanderratte ist heute die mit Abstand häufigste Art. Die Hausratte ist in Deutschland vielerorts selten geworden und kommt nur noch regional vor, etwa in alten Speichern oder Hafengebieten.
Ratten sind lernfähige Allesfresser und leben in Familienverbänden. Neuen Gegenständen begegnen sie mit Misstrauen (Neophobie), weshalb eine Bekämpfung Geduld erfordert.
Aussehen: So erkennt man Ratten
Ausgewachsene Ratten sind deutlich größer als Mäuse. Die beiden Arten lassen sich an Körperbau, Schwanz und Ohren unterscheiden:
- Wanderratte: kräftig und gedrungen, Kopf-Rumpf-Länge etwa 20 bis 27 Zentimeter, Gewicht meist 200 bis 500 Gramm. Fell graubraun, Bauch heller. Stumpfe Schnauze, kleine, behaarte Ohren. Der Schwanz ist kürzer als Kopf und Rumpf zusammen.
- Hausratte: schlanker und kleiner, Kopf-Rumpf-Länge etwa 16 bis 22 Zentimeter. Fell meist dunkelgrau bis schwarz. Spitze Schnauze, große, fast nackte Ohren. Der Schwanz ist länger als Kopf und Rumpf.
Junge Ratten werden oft für Mäuse gehalten. Sie haben aber im Verhältnis zum Körper einen großen Kopf, große Hinterfüße und einen dicken Schwanz.
Bildnachweis: © H. Zell · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia CommonsLebensweise und Entwicklung
Ratten sind überwiegend nachtaktiv und nutzen feste Laufwege entlang von Wänden und Kanten. Wanderratten graben Baue und schwimmen gut, Hausratten klettern und leben eher in oberen Gebäudeteilen. Beide brauchen täglich Wasser.
Nach einer Tragzeit von gut drei Wochen bringt ein Weibchen meist sechs bis zwölf Junge zur Welt, die nach zwei bis drei Monaten geschlechtsreif sind. Da mehrere Würfe im Jahr möglich sind, wird aus wenigen Tieren rasch ein großer Bestand.
Wo kommen Ratten vor?
Wanderratten leben bevorzugt in Bodennähe und im Untergrund: in der Kanalisation, an Gewässerufern, unter Schuppen, in Kompost- und Müllbereichen, in Kellern und Ställen. Ins Haus gelangen sie durch:
- defekte oder ungesicherte Abwasserleitungen und Hausanschlüsse, auch über die Toilette,
- Lücken an Kabel- und Rohrdurchführungen, Kellerfenster, Lüftungsöffnungen,
- offene Türen und Tore, vor allem in Garagen, Lagern und Ställen.
Angelockt werden sie von offenem Müll, Speiseresten im Kompost, Vogel- und Tierfutter. Junge Ratten zwängen sich bereits durch Öffnungen von etwa zwei Zentimetern.
Befall erkennen: typische Anzeichen
Weil Ratten scheu sind, sind Spuren der wichtigste Befallsnachweis:
- Kot: spindel- bis bohnenförmig, etwa 1 bis 2 Zentimeter lang, frisch dunkel und feucht glänzend, oft gehäuft entlang der Laufwege.
- Schmierspuren: dunkle, fettige Streifen an Wänden, Rohren und Durchschlüpfen, verursacht durch das Fell.
- Nagespuren: an Holz, Kunststoff, Verpackungen, Kabeln und Dämmmaterial; die Nagespuren sind gröber als bei Mäusen.
- Laufspuren: Fußabdrücke und Schwanzschleifspuren in Staub oder Mehl, ausgetretene Pfade im Gras.
- Baue: faustgroße Löcher im Erdreich, an Fundamenten oder unter Platten, oft mit ausgeworfener Erde.
- Geräusche: Kratzen, Nagen oder Trappeln in Zwischendecken und Wänden, vor allem nachts.
- Geruch: muffig und uringeprägt bei stärkerem Befall.
Wer tagsüber Ratten sieht, hat häufig bereits einen größeren Bestand.
Verwechslungsgefahr
Am häufigsten werden junge Ratten mit Mäusen verwechselt; der Größenvergleich des Kots hilft: Mäusekot ist nur wenige Millimeter lang. Geräusche im Dachboden können auch von Mardern oder Siebenschläfern stammen. Marderkot ist länger, oft gedreht und enthält Haare, Federn oder Kerne.
Sind Ratten gefährlich?
Ratten können verschiedene Krankheitserreger übertragen, etwa Leptospiren, Salmonellen oder bestimmte Hantaviren. Die Übertragung erfolgt vor allem über Urin, Kot, verunreinigte Lebensmittel und Wasser, seltener über Bisse. Ein Befall ist deshalb ein Hygieneproblem, auch wenn nicht jede Ratte krank ist. Bei Fieber, grippeähnlichen Beschwerden oder einem Biss nach Rattenkontakt sollten Sie ärztlichen Rat einholen und den Kontakt erwähnen.
Hinzu kommen Materialschäden: Angenagte Kabel können Kurzschlüsse und Brände verursachen, außerdem leiden Dämmung, Leitungen und Vorräte.
Rechtlich gilt: In vielen Bundesländern und Kommunen bestehen Regelungen, nach denen Eigentümer oder Nutzer einen Rattenbefall melden und bekämpfen lassen müssen. Welche Pflichten konkret gelten, erfahren Sie beim Ordnungsamt oder Gesundheitsamt Ihrer Gemeinde.
Vorbeugen
- Müll in fest schließenden Tonnen lagern.
- Keine gekochten Speisereste, kein Fleisch und keine Backwaren auf den Kompost geben.
- Tierfutter und Vogelfutter nicht offen stehen lassen, Futterreste abends entfernen.
- Öffnungen an Rohr- und Kabeldurchführungen dauerhaft verschließen, Kellerfenster und Lüftungen mit Metallgitter sichern.
- Rückstauklappen und Kanalanschlüsse prüfen lassen, wenn Ratten über die Abwasserleitung kommen.
Bekämpfung
Solange Nahrung und Zugänge vorhanden sind, wandern neue Tiere zu. Abdichten und Futterquellen beseitigen gehört deshalb zu jeder Bekämpfung.
Nicht-chemische Verfahren: Schlagfallen in Rattengröße töten sofort, wenn sie quer zur Laufrichtung an Wänden und in geschlossenen Boxen stehen, damit Kinder und Haustiere geschützt sind. Wegen der Vorsicht der Tiere hilft es, Fallen einige Tage unscharf stehen zu lassen. Lebendfallen verlagern das Problem meist nur.
Rodentizide: Chemische Rattenköder sind Biozidprodukte der Gruppe der Rodentizide. Gegen Ratten werden überwiegend Antikoagulanzien eingesetzt. Sie hemmen die Blutgerinnung und wirken verzögert nach einigen Tagen, sodass die Tiere den Köder nicht mit ihrem Unwohlsein verbinden. Üblich sind Pasten, Blöcke oder Getreideköder; mehr dazu im Ratgeber Köder, Kontakt- und Fraßmittel.
Für die Anwendung gelten strenge Regeln:
- Köder gehören in manipulationssichere Köderstationen, niemals offen ausgelegt.
- Vor der Beköderung muss ein Befall nachgewiesen sein; eine vorbeugende Dauerbeköderung ist für Privatpersonen nicht zulässig.
- Köderstellen werden regelmäßig kontrolliert, tote Tiere mit Handschuhen eingesammelt und entsorgt, Restköder nach Ende der Bekämpfung entfernt.
- Viele Produkte gegen Ratten, insbesondere mit stärker wirksamen Wirkstoffen, sind berufsmäßigen Verwendern mit Sachkunde vorbehalten. Welche Anwendergruppe ein Produkt verwenden darf, steht auf dem Etikett; Hintergründe erklärt der Ratgeber Anwendergruppen und Sachkunde.
Zu beachten sind Sekundärvergiftungen, wenn Greifvögel, Eulen, Hunde oder Katzen vergiftete Ratten fressen, und regionale Resistenzen der Wanderratte gegen bestimmte Antikoagulanzien. Verwenden Sie Rodentizide nur genau so, wie es die Gebrauchsanweisung vorgibt.
Ein Schädlingsbekämpfer ist sinnvoll bei Ratten im Wohnbereich oder in Lebensmittelbetrieben, bei anhaltendem Befall, bei Zugang über die Kanalisation oder wenn kommunale Vorgaben es verlangen.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob ich Ratten oder Mäuse habe?
Der Kot ist das zuverlässigste Merkmal: Rattenkot ist etwa 1 bis 2 Zentimeter lang, Mäusekot nur wenige Millimeter. Auch Schmierspuren und Erdlöcher am Haus sprechen eher für Ratten. Im Zweifel kann ein Fachbetrieb die Spuren bestimmen.
Können Ratten durch die Toilette kommen?
Ja, Wanderratten schwimmen und klettern in Abwasserleitungen und können über defekte Rohre oder die Toilette ins Haus gelangen. Abhilfe schaffen intakte Leitungen und Rattensperren, die Fachleute einbauen.
Muss ich einen Rattenbefall melden?
Das hängt von den Vorschriften Ihres Bundeslandes und Ihrer Gemeinde ab. Vielerorts sind Eigentümer oder Nutzer verpflichtet, einen Befall zu melden und bekämpfen zu lassen. Auskunft gibt das Ordnungsamt oder Gesundheitsamt.
Warum fressen die Ratten den Köder nicht?
Ratten meiden Neues zunächst und nehmen Köder oft erst nach Tagen an, bei reichlich anderer Nahrung kaum. Deshalb sollten Futterquellen vorher beseitigt werden.
Wie lange dauert eine Rattenbekämpfung?
Mit Antikoagulanzien-Ködern dauert es meist einige Tage bis wenige Wochen, bis ein Befall erloschen ist. Gleichzeitig müssen Zugänge verschlossen und Nahrungsquellen entfernt werden, sonst wandern neue Tiere nach.