Antikoagulans

Blutgerinnungshemmender Wirkstoff, der in den meisten Rodentiziden steckt. Er wirkt verzögert nach einigen Tagen; das Gegenmittel ist Vitamin K1.

Stand: 29.10.2026

Antikoagulanzien (Einzahl: Antikoagulans) hemmen die Blutgerinnung. In Rodentiziden sind sie die am häufigsten verwendete Wirkstoffgruppe. Sie blockieren den Vitamin-K-Kreislauf in der Leber, sodass der Körper wichtige Gerinnungsfaktoren nicht mehr bilden kann. Das Tier stirbt nach einigen Tagen an inneren Blutungen.

Warum die verzögerte Wirkung gewollt ist

Ratten sind vorsichtig: Erkrankt ein Tier unmittelbar nach dem Fressen, meiden die anderen den Köder. Weil Antikoagulanzien erst nach Tagen wirken, bringen die Tiere die Krankheit nicht mit dem Köder in Verbindung.

Erste und zweite Generation

  • Erste Generation, zum Beispiel Warfarin, Coumatetralyl und Chlorphacinon: Die Tiere müssen den Köder mehrmals über mehrere Tage fressen. Gegen diese Wirkstoffe haben sich in manchen Regionen Resistenzen gebildet.
  • Zweite Generation, zum Beispiel Bromadiolon, Difenacoum, Brodifacoum, Difethialon und Flocoumafen: Oft reicht eine einzige Aufnahme. Diese Wirkstoffe sind wirksamer, bleiben aber lange im Körper und reichern sich in der Nahrungskette an.

Risiken und Einstufung

Antikoagulanzien sind für alle Säugetiere und Vögel giftig. Gefährdet sind besonders spielende Kinder, Hunde und Katzen sowie Greifvögel und Füchse, die vergiftete Nager fressen (Sekundärvergiftung). Viele Antikoagulanzien sind zudem als fortpflanzungsgefährdend eingestuft (H360D „Kann das Kind im Mutterleib schädigen“). Diese Einstufung gilt bereits für Köder mit sehr geringem Wirkstoffgehalt ab 0,003 Prozent (30 ppm). Deshalb ist die Verwendung vieler Produkte auf berufsmäßige oder sachkundige Verwender beschränkt.

Gegenmittel

Gegen eine Vergiftung mit Antikoagulanzien hilft Vitamin K1, das ein Arzt oder Tierarzt verabreicht. Weil die Symptome erst Tage später auftreten, ist schnelles Handeln schon beim bloßen Verdacht wichtig.

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