Eichenprozessionsspinner: Nester, Ausschlag und richtiges Verhalten
Eichenprozessionsspinner-Raupen tragen Brennhaare, die Ausschlag, Juckreiz und Atemwegsreizungen auslösen können. Der Ratgeber zeigt Nester, Symptome, Verhalten bei Kontakt und Wege der Entfernung.
Stand: 29.10.2026
Bildnachweis: © Géry PARENT · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia CommonsDer Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter, dessen Raupen ab dem dritten Larvenstadium feine Brennhaare mit einem Eiweißgift (Thaumetopoein) ausbilden. Berühren oder Einatmen dieser Haare kann einen stark juckenden Hautausschlag, Augenreizungen und Atembeschwerden auslösen. Befallene Bäume und Nester sollten Sie nicht anfassen, sondern der zuständigen Stelle melden. Die Entfernung gehört in die Hände von Fachleuten mit Schutzausrüstung.
Was ist der Eichenprozessionsspinner?
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Schmetterling, der vor allem an Eichen vorkommt. Er bevorzugt warme, sonnige Standorte wie Waldränder, Alleen, Parks, Einzelbäume und Gärten. Die Raupen fressen die Eichenblätter und können Bäume bei starkem Befall deutlich schwächen.
Zu seinem Namen kam er durch das Verhalten der Raupen: Sie wandern abends in langen Reihen hintereinander zu den Fraßstellen. Mehr zur Art finden Sie auf der Seite zum Eichenprozessionsspinner.
Entwicklung im Jahresverlauf
Die Raupen schlüpfen im Frühjahr, wenn die Eichen austreiben. In den ersten beiden Larvenstadien sind die Haare noch nicht giftig. Ab dem dritten Larvenstadium, meist ab Mai bis Juni, entwickeln die Tiere die Brennhaare.
Im Frühsommer verpuppen sich die Raupen in den Nestern. Später im Sommer schlüpfen die unauffälligen Falter. Die genauen Zeiten hängen von Witterung und Region ab.
Nester erkennen
Die Nester sind Gespinste, die die Raupen am Stamm oder in Astgabeln anlegen. Anfangs sind sie klein und hell, später werden sie größer und gräulich bis bräunlich. Sie sehen aus wie dichte, watteartige oder papierartige Gebilde. Im Inneren sammeln sich Häutungsreste, Kot und Haare.
Typische Hinweise auf einen Befall:
- Gespinstnester an Stamm und stärkeren Ästen, oft in Höhe der Astgabeln
- Raupen, die in Reihen oder Gruppen am Stamm laufen
- Kahlfraß oder stark angefressene Blätter an einzelnen Eichen
- Kotkrümel und Häutungsreste unter dem Baum
Verwechslungen sind möglich, etwa mit harmlosen Gespinsten anderer Raupen. Im Zweifel halten Sie Abstand und lassen die Stelle durch das Grünflächenamt, das Ordnungsamt oder einen Fachbetrieb beurteilen.
Ausschlag und Symptome
Die Brennhaare haben Widerhaken und setzen sich in Haut und Schleimhäuten fest. Dort geben sie das Gift ab. Zusätzlich lösen sich die Haare leicht und werden vom Wind verweht, sodass Kontakt auch ohne direkten Baumkontakt möglich ist.
Haut
Häufigste Reaktion ist die sogenannte Raupendermatitis:
- starker Juckreiz und Brennen
- Rötungen, kleine Knötchen oder Quaddeln
- Ausschlag vor allem an unbedeckten Stellen wie Hals, Nacken, Armen und Beinen, aber auch unter der Kleidung
Die Beschwerden beginnen oft erst nach Stunden, teils erst nach rund einem Tag, und können mehrere Tage anhalten. Ein Ausschlag allein erlaubt keine sichere Zuordnung, denn ähnlich aussehende Hautveränderungen entstehen auch durch Mücken, Flöhe oder Milben. Ob es sich um eine Raupenreaktion handelt, klärt eine Ärztin oder ein Arzt.
Augen und Atemwege
Weniger häufig reizen die Haare weitere Körperstellen:
- Augen: Rötung, Brennen, Tränen, Bindehautentzündung
- Atemwege: Husten, Halsreiz, Atembeschwerden, bei Vorbelasteten auch asthmaartige Beschwerden
- selten allgemeine Symptome wie Fieber oder Kreislaufreaktionen bis hin zu allergischen Sofortreaktionen
Bei Atemnot, Schwindel, Schwellungen im Gesicht oder starkem Unwohlsein rufen Sie den Notruf. Bei Haar-Kontakt mit den Augen suchen Sie ärztliche Hilfe, denn Haare können sich in der Hornhaut festsetzen.
Was tun nach Kontakt?
Diese Schritte werden von Gesundheitsbehörden üblicherweise empfohlen:
- Den Bereich verlassen und weiteren Kontakt vermeiden.
- Kleidung wechseln und getrennt bei hoher Temperatur waschen. Nicht ausschütteln, damit sich Haare nicht verteilen.
- Gründlich duschen und die Haare waschen, um anhaftende Härchen zu entfernen.
- Nicht kratzen oder reiben, da sich die Haare sonst tiefer in die Haut arbeiten.
- Bei Beschwerden Arztpraxis aufsuchen und den möglichen Kontakt mit Raupen angeben.
Bei Unsicherheit, etwa nach Kontakt von Kindern oder Haustieren, erreichen Sie das regionale Giftinformationszentrum. Tiere mit Speichelfluss, Schwellungen im Maul oder Atemproblemen gehören zügig in tierärztliche Behandlung.
Verhalten bei Befall am Baum
Vermeiden Sie befallene Bereiche, besonders bei trockenem, windigem Wetter. Halten Sie Kinder und Tiere fern. Bei Bedarf empfehlen Behörden, Wege in der Nähe zu meiden oder abzusperren.
Was Sie nicht tun sollten:
- Nester abschlagen, abbürsten oder abspritzen
- Nester abflämmen, denn dabei verteilen sich Haare in der Umgebung
- Raupen mit bloßen Händen oder normaler Haushaltsausrüstung entfernen
- Nester selbst staubsaugen, da normale Geräte die feinen Haare nicht sicher zurückhalten
Bei Befall an öffentlichen Bäumen informieren Sie das Ordnungsamt, Grünflächenamt oder die Gemeinde. Auf privaten Grundstücken ist in der Regel der Eigentümer zuständig. Meldepflichten und Kostenregelungen unterscheiden sich je nach Bundesland und Kommune.
Bekämpfung und Entfernung
Ob eine Bekämpfung nötig ist, hängt von Standort, Befallsstärke und Gefährdung von Menschen ab. Fachstellen raten, zunächst alle Alternativen zu prüfen und nur bei begründetem Bedarf einzugreifen.
Die gängigen Verfahren:
- Absaugen der Nester: Fachleute mit Atemschutz und Schutzanzug entfernen Nester mit Spezialgeräten und entsorgen sie sicher.
- Biologische Bekämpfung im Frühjahr: Eingesetzt werden Präparate auf Basis des Bakteriums Bacillus thuringiensis, die gezielt auf junge Raupen wirken. Die Wirkung setzt voraus, dass sie früh im Larvenverlauf ausgebracht werden, bevor die Brennhaare ausgebildet sind.
- Weitere Verfahren: Je nach Lage kommen auch andere Methoden infrage, etwa das Abflammen durch geschultes Personal. Das ist jedoch nicht überall zulässig oder sinnvoll.
Für die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln ist ein Sachkundenachweis erforderlich. Mehr dazu unter Sachkunde und im Ratgeber zu sachkundigen Verwendern. Welche Mittel auf welchen Flächen erlaubt sind, regeln Zulassung und Landesrecht, die Pflanzenschutzdienste der Länder beraten dazu.
Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Wer sich mit Biozidprodukten und der Gebrauchsanweisung nicht auskennt, überlässt die Maßnahme besser einem Fachbetrieb für Schädlingsbekämpfung.
Vorbeugung und Alltagstipps
- Halten Sie sich in der Saison von auffällig befallenen Eichen fern.
- Tragen Sie bei Arbeiten in der Nähe geschlossene Kleidung, Handschuhe und Schutzbrille.
- Trocknen Sie Wäsche in befallenen Gebieten nicht im Freien.
- Informieren Sie sich bei Ihrer Kommune über bekannte Befallsorte.
- Melden Sie neue Nester früh, denn kleine Nester lassen sich einfacher und sicherer entfernen.
Häufige Fragen
Wie sieht ein Ausschlag durch den Eichenprozessionsspinner aus?
Typisch sind stark juckende rote Flecken, Knötchen oder Quaddeln, oft an Hals, Armen und Beinen. Sie treten häufig erst nach Stunden bis zu einem Tag auf. Eine sichere Zuordnung ist nur ärztlich möglich.
Wie lange bleiben die Brennhaare gefährlich?
Die Haare verlieren ihre Wirkung nicht schnell. In Nestern und Häutungsresten können sie über Jahre reizend bleiben. Deshalb bleibt auch ein scheinbar leeres Nest gefährlich.
Darf ich ein Nest selbst entfernen?
Davon raten Behörden ab. Ohne Schutzausrüstung und geeignete Technik verteilen sich die Haare leicht. Beauftragen Sie Fachleute und informieren Sie bei öffentlichen Flächen die Kommune.
Wann ist die Gefahr am größten?
Die Gefahr besteht ab dem Frühsommer, wenn die Raupen das dritte Larvenstadium erreichen, und kann bis in den Herbst nachwirken. Haare aus alten Nestern können auch außerhalb der Saison gefährlich sein.
Was tun, wenn mein Hund oder meine Katze Kontakt hatte?
Suchen Sie bei Schwellungen im Maul, vermehrtem Speicheln oder Atemproblemen umgehend eine Tierarztpraxis auf. Berühren Sie das Tier selbst nur mit Handschuhen.
Gibt es eine Meldepflicht für Nester?
Das ist je nach Bundesland und Kommune verschieden. Auf öffentlichen Flächen melden Sie Befall an das Ordnungs- oder Grünflächenamt, auf Privatgrund liegt die Verantwortung meist bei den Eigentümern.
Quellen und weiterführende Informationen
- Eichenprozessionsspinner – Umweltbundesamt
- Eichenprozessionsspinner (Gesundheitsschutz, umweltbezogen) – Land Schleswig-Holstein
- Merkblatt Eichenprozessionsspinner – Gesundheitsdepartement Basel-Stadt
- Gesundheitliche Gefahr durch die Brennhaare der Raupen des Eichenprozessionsspinners – Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Berlin





