Eichenprozessionsspinner
Thaumetopoea processionea
Eichenprozessionsspinner: Brennhaare der Raupen lösen Ausschlag, Juckreiz und Augenreizungen aus. Erkennen, richtig verhalten und wer zuständig ist.
Stand: 29.10.2026
Bildnachweis: © Falko Seyffarth · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia CommonsDer Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter, dessen Raupen feine Brennhaare mit einem Nesselgift tragen. Kontakt kann Ausschlag, starken Juckreiz sowie Augen- und Atemwegsreizungen verursachen; Nester sollten Sie deshalb nie selbst entfernen, sondern der Kommune melden oder eine Fachfirma beauftragen.
Was ist der Eichenprozessionsspinner?
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Schmetterling aus der Familie der Zahnspinner. Seinen Namen verdankt er dem Verhalten der Raupen: Sie wandern abends in langen Reihen, den sogenannten Prozessionen, vom Nest in die Baumkrone zum Fressen. Die Art ist an Eichen gebunden und tritt in vielen Regionen Deutschlands auf, besonders in wärmeren Lagen. Gesundheitlich relevant sind ausschließlich die Raupen und ihre Brennhaare; der erwachsene Falter ist harmlos.
Aussehen: So erkennt man den Eichenprozessionsspinner
- Falter: unscheinbar grau bis graubraun, Flügelspannweite etwa 25 bis 35 Millimeter, nachtaktiv und kurzlebig.
- Raupen: bis etwa 5 Zentimeter lang, graubraun bis schwärzlich mit dunklem Rückenband und hellen Seiten. Sie tragen lange weiße Haare und auf dem Rücken samtartige Felder mit den eigentlichen Brennhaaren.
- Brennhaare: winzig, nur etwa 0,1 bis 0,2 Millimeter lang, mit Widerhaken. Sie entstehen ab dem dritten Larvenstadium in sehr großer Zahl und sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen.
- Nester: graue bis bräunliche, filzige Gespinste am Stamm oder in Astgabeln von Eichen, oft faust- bis fußballgroß, gefüllt mit Häutungsresten, Kot und Brennhaaren.
Bildnachweis: © Gyorgy Csoka, Hungary Forest Research Institute, Bugwood.org · CC BY 3.0 us · Wikimedia Commons
Bildnachweis: © Daniel Ullrich, Threedots · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia CommonsLebensweise und Entwicklung
Die Weibchen legen ihre Eier im Spätsommer in Platten an dünne Zweige im Kronenbereich von Eichen. Die Eier überwintern, und die Raupen schlüpfen im Frühjahr zum Blattaustrieb. Sie fressen gesellig an den Blättern, häuten sich mehrfach und bilden ab dem dritten Stadium, häufig ab Mai, die Brennhaare. Tagsüber ruhen sie in Gespinstnestern, nachts ziehen sie zum Fressen in die Krone. Im Frühsommer verpuppen sie sich in den Nestern; die Falter fliegen im Hochsommer.
Wichtig: Die Brennhaare bleiben auch in alten, verlassenen Nestern über lange Zeit wirksam. Wind kann sie über größere Strecken verfrachten, sodass auch Menschen betroffen sein können, die die Raupen nie berührt haben.
Wo kommt der Eichenprozessionsspinner vor?
Bevorzugt werden einzeln stehende, sonnige Eichen sowie Eichen an Waldrändern, in Parks, auf Spielplätzen, an Straßen, auf Schulhöfen und in Gärten. Dichte, geschlossene Wälder sind seltener stark betroffen. Andere Baumarten nutzt er in Mitteleuropa praktisch nicht.
Befall erkennen: typische Anzeichen
- behaarte Raupen, die in Reihen oder Gruppen am Stamm entlangwandern
- filzige, gespinstartige Nester am Stamm, an Astgabeln oder am Stammfuß
- auffälliger Kahlfraß an Eichen im Frühsommer
- Absperrungen oder Warnschilder der Gemeinde an Bäumen
- Hautreaktionen nach Aufenthalten unter Eichen, auch ohne sichtbaren Kontakt mit Raupen
Verwechslungsgefahr
Häufig verwechselt werden die Nester von Gespinstmotten, die ganze Sträucher wie Pfaffenhütchen, Traubenkirschen oder Weißdorn mit weißen Schleiern überziehen. Gespinstmotten sind für Menschen harmlos. Der verwandte Kiefernprozessionsspinner lebt an Kiefern, vor allem im Nordosten Deutschlands, und besitzt ebenfalls Brennhaare. Auch die Raupen des Goldafters können Hautreizungen auslösen. Ausschläge durch Brennhaare werden mitunter für Insektenstiche gehalten; zu Stichen durch Mücken oder Wespen siehe die jeweiligen Seiten.
Ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich?
Ja, für die Gesundheit kann er eine echte Belastung sein. Die Brennhaare dringen in Haut und Schleimhäute ein und setzen ein Nesselgift frei. Mögliche Folgen sind:
- Raupendermatitis: stark juckender Ausschlag mit Rötungen, Quaddeln oder Knötchen, oft an Hals, Armen und im Gesicht, der mehrere Tage bis Wochen anhalten kann
- Augenreizungen: Rötung, Brennen und Bindehautentzündung
- Atemwegsreizungen: Halsschmerzen, Husten, in seltenen Fällen asthmaähnliche Beschwerden
- Allgemeinsymptome: Schwindel, Fieber oder Abgeschlagenheit; sehr selten schwere allergische Reaktionen
Was tun nach Kontakt? Kleidung vorsichtig ausziehen und bei hoher Temperatur waschen, duschen und die Haare waschen, Haut nicht reiben. Einzelne Haare lassen sich mit Klebeband vorsichtig abziehen. Bei starken Beschwerden, Augenbeteiligung, Atemnot oder Kreislaufproblemen suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe auf, im Notfall über den Notruf. Auch Haustiere können betroffen sein; bei Auffälligkeiten an Maul oder Augen hilft die Tierarztpraxis.
Vorbeugen
- befallene Bereiche meiden und Absperrungen beachten
- Raupen und Nester nicht berühren, Kinder entsprechend aufklären
- unter befallenen Eichen nicht picknicken oder lagern
- in Risikogebieten lange Kleidung tragen
- Wäsche nicht in der Nähe befallener Bäume trocknen
- Hunde unter befallenen Bäumen anleinen
Bekämpfung
Entfernen Sie Nester niemals selbst. Abschneiden, Abspritzen mit Wasser oder Abflammen verwirbeln die Brennhaare und erhöhen die Gefahr erheblich.
Zuständigkeit: Auf öffentlichem Grund, etwa in Parks, an Straßen, Schulen oder Spielplätzen, kümmern sich in der Regel die Kommune, das Grünflächen- oder Ordnungsamt. Melden Sie befallene Bäume dort. Auf privatem Grundstück ist grundsätzlich der Eigentümer verantwortlich und beauftragt eine Fachfirma. Die genauen Zuständigkeiten und Meldewege unterscheiden sich je nach Bundesland und Kommune.
Mechanische Bekämpfung: Fachfirmen saugen Nester mit speziellen Industriesaugern ab, arbeiten mit Schutzanzug, Atemschutz und Schutzbrille und entsorgen das Material sicher. Diese Methode ist vor allem nach Bildung der Brennhaare das Mittel der Wahl.
Biozide und Pflanzenschutz: In frühen Raupenstadien, bevor die Brennhaare entstehen, können Fachleute Präparate in die Baumkronen ausbringen, etwa auf Basis des Bakteriums Bacillus thuringiensis oder mit fraßhemmenden Wirkstoffen. Rechtlich wird unterschieden: Dient die Maßnahme dem Schutz der menschlichen Gesundheit, gilt das Biozidrecht und es kommen Biozidprodukte zum Einsatz; geht es um den Schutz der Bäume, etwa im Wald, gilt das Pflanzenschutzrecht. Die Anwendung erfordert Fachkenntnis, geeignete Technik und oft eine besondere Sachkunde, weshalb sie Fachbetrieben vorbehalten ist. Welche Anforderungen an berufsmäßige Anwender gelten, erläutert der Ratgeber Anwendergruppen und Sachkunde. Ein Insektizid trifft zudem auch andere Insekten, daher wird der Einsatz besonders sorgfältig abgewogen.
Natürliche Gegenspieler: Vögel wie der Kuckuck, Schlupfwespen, Raupenfliegen und bestimmte Käfer fressen oder parasitieren die Raupen. Sie können Massenvermehrungen dämpfen, aber nicht kurzfristig verhindern.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Ausschlag durch den Eichenprozessionsspinner?
Die Hautreaktion klingt meist nach einigen Tagen ab, kann aber je nach Empfindlichkeit und Menge der Brennhaare auch ein bis zwei Wochen anhalten. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.
Wann ist die Gefahr durch den Eichenprozessionsspinner am größten?
Die Brennhaare bilden sich ab dem dritten Raupenstadium, meist ab Mai. Am höchsten ist die Belastung in der Regel von Mai bis Juli. Da alte Nester ihre Brennhaare über lange Zeit behalten, bleibt ein Restrisiko jedoch auch außerhalb dieser Monate.
Wem melde ich einen Befall mit Eichenprozessionsspinnern?
Befall auf öffentlichen Flächen melden Sie der Stadt- oder Gemeindeverwaltung, meist dem Ordnungsamt oder Grünflächenamt. Bei Befall auf dem eigenen Grundstück ist eine Fachfirma der richtige Ansprechpartner. Viele Kommunen bieten eigene Meldestellen oder Online-Formulare an.
Darf ich ein Nest des Eichenprozessionsspinners selbst entfernen?
Davon ist dringend abzuraten. Ohne Schutzausrüstung und geeignete Technik werden die Brennhaare aufgewirbelt und können Haut, Augen und Atemwege schwer reizen. Die Beseitigung gehört in die Hände von Fachleuten.
Sind die Falter des Eichenprozessionsspinners gefährlich?
Nein, die erwachsenen Falter tragen keine Brennhaare. Allerdings können an ihnen und an Eiablagestellen Haare aus der Umgebung haften, weshalb der Bereich um befallene Bäume grundsätzlich gemieden werden sollte.
Was hilft gegen Juckreiz nach Kontakt mit Brennhaaren?
Wichtig ist zunächst, die Haare zu entfernen: duschen, Haare waschen, Kleidung wechseln und Haut nicht reiben. Kühlende Umschläge können lindern. Welche Behandlung darüber hinaus sinnvoll ist, sollte ärztlich oder in der Apotheke geklärt werden.