Hornissen: Merkmale, Nester, Stiche und Rechtslage

Hornissen sind die größten heimischen Wespen, friedlich und streng geschützt. Der Ratgeber erklärt Königin, Nest, Stiche, Asiatische Hornisse und was bei einem Nest erlaubt ist.

Stand: 29.10.2026

Europäische Hornisse sitzt auf einem verwitterten Ast, im Hintergrund ein unscharfer grüner Wald in weichem TageslichtBildnachweis: © KI-generiert · SchädlingsInfo

Hornissen sind die größten heimischen Wespen. Die Europäische Hornisse (Vespa crabro) ist in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt: Die Tiere dürfen weder gefangen noch getötet werden, und ihre Nester dürfen nicht ohne Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde entfernt werden. Hornissen sind nicht von sich aus aggressiv, verteidigen aber ihr Nest. Ihr Stich ist für Nichtallergiker in der Regel nicht gefährlicher als ein Wespenstich. Davon zu unterscheiden ist die Asiatische Hornisse (Vespa velutina), eine eingewanderte Art, für die andere Regeln gelten.

Hornissen erkennen: Merkmale der Europäischen Hornisse

Die Europäische Hornisse ist auffällig groß. Die Arbeiterinnen erreichen etwa 18 bis 25 Millimeter, die Königin wird bis zu 35 Millimeter lang. Zum Vergleich: Die häufigen Wespenarten am Kaffeetisch messen nur etwa 11 bis 16 Millimeter.

Typische Merkmale:

  • rötlich-brauner Brustabschnitt mit gelb-schwarzem Hinterleib
  • kräftiger, deutlich größerer Körperbau als bei Wespen
  • tiefes Brummen im Flug
  • freihängende, bräunliche Papiernester mit mehreren Schichten

Hornissen fliegen auch in der Dämmerung und nachts, oft angelockt von Licht. Das erschreckt manche Menschen, ist für die Art aber normal.

Lebensweise: Von der Königin zum Volk

Hornissenvölker sind einjährig. Im Verlauf eines Sommers wächst ein Volk heran, im Herbst löst es sich wieder auf.

Die Hornissenkönigin im Frühjahr

Nur junge, begattete Königinnen überwintern, meist in morschem Holz oder in Spalten. Im Frühjahr sucht die Königin einen geschützten Platz und baut allein ein kleines Nest. Sie legt die ersten Eier, füttert die Larven und zieht die erste Generation Arbeiterinnen auf. Danach bleibt sie im Nest und legt Eier, während die Arbeiterinnen Nahrung beschaffen und das Nest erweitern.

Nestbau und Nistplätze

Hornissen nisten gern in Hohlräumen: in Baumhöhlen, Nistkästen, Dachböden, Schuppen oder Rollladenkästen. Wird der Platz zu eng, bauen sie mitunter ein weiteres Nest und verlassen das erste. Ein Volk umfasst im Sommer meist einige hundert Tiere.

Ende im Herbst

Im Spätsommer entstehen neue Königinnen und Männchen. Mit den ersten Frösten sterben die alten Königinnen, die Arbeiterinnen und die Männchen. Das Nest wird nicht wieder bezogen. Es kann danach unbedenklich entfernt werden, weil es leer ist.

Hornisse oder Wespe? Die wichtigsten Unterschiede

Hornissen werden oft mit Wespen verwechselt, verhalten sich aber anders:

  • Größe und Farbe: Hornissen sind deutlich größer und wirken rötlich-braun, Wespen leuchtend gelb-schwarz.
  • Nahrung: Hornissen füttern ihre Brut mit Insekten wie Fliegen, Bienen und Raupen. Die erwachsenen Tiere nehmen vor allem Pflanzensäfte und Fallobst auf. Für Kuchen, Wurst und süße Getränke interessieren sie sich kaum.
  • Verhalten: Hornissen sind zurückhaltender. Sie verteidigen nur die nähere Umgebung ihres Nests.
  • Rechtlich: Hornissen sind besonders geschützt. Bei Wespen kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Bekämpfung zulässig sein.

Mehr zu den häufigen Wespenarten finden Sie im Beitrag zu Wespen.

Sind Hornissen gefährlich? Stiche und Verhalten

Die Redewendung „Drei Stiche töten einen Menschen“ ist ein Mythos. Hornissengift ist für Nichtallergiker nicht giftiger als Wespengift. Der Schmerz ist allenfalls etwas stärker, weil der Stachel größer ist. Den Stachel setzen Hornissen vor allem gegen andere Insekten ein, gegen Menschen nur selten.

Risiken bestehen in zwei Fällen:

  • Allergie: Bei einer Insektengiftallergie kann schon ein einzelner Stich lebensbedrohlich sein.
  • Stich in Mund oder Rachen: Die Schwellung kann die Atemwege verengen, auch bei Menschen ohne Allergie.

Verhalten am Nest

  • Halten Sie mindestens zwei Meter Abstand zu einem Nest.
  • Erschüttern Sie das Nest nicht und versperren Sie die Einflugöffnung nicht.
  • Bleiben Sie ruhig, vermeiden Sie hektische Bewegungen und schlagen Sie nicht nach den Tieren.
  • Dunkeln Sie in der Nacht Räume ab oder schalten Sie das Licht aus, wenn sich einzelne Tiere in die Wohnung verirrt haben. Sie finden meist von selbst hinaus. Mit Glas und Karte lassen sie sich auch nach draußen setzen.

Nach einem Stich

Kühlen kann Schmerz und Schwellung lindern. Rufen Sie sofort den Notruf (112), wenn Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Hals, Kreislaufbeschwerden oder mehrere Stiche auftreten, wenn im Mund oder Rachen gestochen wurde oder wenn eine bekannte Allergie vorliegt. Bei Unsicherheit helfen Ärztinnen und Ärzte oder das regionale Giftinformationszentrum weiter. Eine Diagnose kann dieser Ratgeber nicht ersetzen.

Rechtslage: Schutz, Nest entfernen, Umsiedlung

Die Europäische Hornisse ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Verboten sind insbesondere das Fangen, Verletzen und Töten der Tiere sowie das Zerstören ihrer Nester. Verstöße können mit Bußgeld geahndet werden.

Wenn ein Nest an einer ungünstigen Stelle sitzt, gilt folgende Reihenfolge:

  1. Prüfen, ob das Nest wirklich stört. Viele Nester an Bäumen, Schuppen oder Dachüberständen bleiben problemlos, wenn der Abstand eingehalten wird.
  2. Naturschutzbehörde kontaktieren. Zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde von Landkreis oder Stadt. Oft vermitteln dort auch ehrenamtliche Wespen- und Hornissenberater.
  3. Umsiedlung nur durch Geschulte. Eine Umsiedlung ist nur in Einzelfällen möglich und darf ausschließlich von dafür qualifizierten Personen durchgeführt werden.
  4. Genehmigung einholen. Das Entfernen, Umsetzen oder Töten eines Nests braucht eine Ausnahme oder Befreiung der Behörde. Verfahren, Zuständigkeiten und Kosten unterscheiden sich je nach Bundesland und Kommune.

Eine Bekämpfung mit Insektiziden ist bei der Europäischen Hornisse in aller Regel keine Option. Wo Biozide überhaupt eingesetzt werden, gilt: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Was darauf steht, erklären die Beiträge zur Gebrauchsanweisung und zu den Dokumentarten. Manche Produkte dürfen nur sachkundige Verwender einsetzen. Allgemeines zu Biozidprodukten und ihrer Zulassung finden Sie ebenfalls auf diesem Portal.

Asiatische Hornisse und Riesenhornisse

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) stammt aus Südostasien und wurde mit Warenlieferungen nach Europa eingeschleppt. In Deutschland wurde sie erstmals im Südwesten festgestellt und hat sich vor allem im Westen etabliert. Einzelfunde gibt es auch andernorts.

So unterscheiden Sie die Arten

  • Die Asiatische Hornisse ist etwas kleiner und dunkler als die Europäische.
  • Nur das letzte Drittel des Hinterleibs ist gelb-orange, der Brustabschnitt wirkt schwarzbraun.
  • Gesicht und Beine sind gelblich.
  • Sie legt oft zuerst ein niedriges Nest an und baut später ein großes Nest in Baumkronen, das mehrere tausend Tiere beherbergen kann.

Eine sichere Bestimmung ist schwierig, weil die Arten verwechselt werden. Fotografieren Sie daher aus sicherer Entfernung.

Warum sie als problematisch gilt

Die Asiatische Hornisse jagt vor allem Honigbienen und erreicht hohe Nestdichten – laut Umweltbundesamt bis zu 15 Nester je Quadratkilometer, bei der Europäischen Hornisse sind es ein bis zwei. Sie steht auf der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 über invasive gebietsfremde Arten. Da sie in Deutschland inzwischen als etabliert gilt, sind die Maßnahmen nicht mehr auf eine vollständige Beseitigung ausgerichtet.

Meldung und Nestentfernung

  • Melden Sie Verdachtsfälle mit Foto oder Video der zuständigen Stelle, meist der Naturschutzbehörde. Viele Länder bieten Meldeportale an.
  • Nester der Asiatischen Hornisse sollten nur geschulte Fachleute entfernen, da Sekundärnester oft hoch hängen und heftig verteidigt werden.
  • Nach Angaben des Umweltbundesamts gibt es derzeit kein speziell für diese Art zugelassenes Biozid. Mechanische Verfahren wie Absaugen und Einfrieren werden angewendet. Lockfallen werden nicht empfohlen, da sie viele andere Insekten fangen.

Hornissen in Japan und die Riesenhornisse

Wer „Hornissen Japan“ sucht, meint meist die Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia), die in Japan und anderen Teilen Asiens heimisch ist. Sie ist deutlich größer als die Europäische Hornisse und kommt nach Angaben des Umweltbundesamts in Deutschland bisher nicht vor. Mit der Asiatischen Hornisse ist sie nicht identisch.

Vorbeugen und richtig reagieren

  • Verschließen Sie Rollladenkästen, Lüftungsöffnungen und Spalten im Frühjahr, bevor eine Königin einzieht.
  • Mit Insektenschutzgittern halten Sie Hornissen aus Wohnräumen fern.
  • Stellen Sie Lampen im Freien so, dass sie nicht direkt am Fenster nachts anlocken.
  • Hängen Sie bei Bedarf Nistkästen an ungestörten Stellen auf, damit Hornissen dort ausweichen können.

Bei Zweifeln, ob es sich um Wespen, Hornissen oder die Asiatische Hornisse handelt, hilft die Naturschutzbehörde. Ist eine Bekämpfung zulässig und notwendig, übernimmt dies am besten ein Fachbetrieb für Schädlingsbekämpfung.

Häufige Fragen

Sind Hornissen gefährlich?

Für Menschen ohne Allergie sind Hornissen kaum gefährlicher als Wespen. Sie greifen meist nur an, wenn sie ihr Nest bedroht sehen. Gefährlich sind Stiche in Mund oder Rachen sowie eine Insektengiftallergie.

Darf man ein Hornissennest entfernen?

Nein, nicht ohne Genehmigung. Die Europäische Hornisse ist besonders geschützt, deshalb entscheidet die Untere Naturschutzbehörde über Ausnahmen. Eine Umsiedlung dürfen nur geschulte Personen vornehmen.

Was macht die Hornissenkönigin im Frühjahr?

Nach der Überwinterung gründet sie allein ein kleines Nest, legt Eier und zieht die ersten Arbeiterinnen auf. Danach legt sie fast nur noch Eier. Im Herbst sterben die alten Königinnen, nur junge begattete überwintern.

Woran erkenne ich die Asiatische Hornisse?

Sie ist dunkler und etwas kleiner als die Europäische Hornisse. Nur das letzte Drittel des Hinterleibs ist gelb-orange. Weil Verwechslungen häufig sind, sollten Sie ein Foto an die zuständige Stelle schicken.

Kommt die Riesenhornisse aus Japan nach Deutschland?

Die Asiatische Riesenhornisse kommt in Deutschland bisher nicht vor. Sie ist von der Asiatischen Hornisse zu unterscheiden, die hier bereits nachgewiesen wurde.

Was tun bei einem Hornissenstich?

Bei Schmerz und Schwellung kann Kühlen helfen. Bei Atemnot, Stichen im Mund oder Rachen, Gesichtsschwellung oder bekannter Allergie rufen Sie sofort den Notruf (112). Bei Fragen hilft auch das Giftinformationszentrum.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Wespen und Hornissen – Umweltbundesamt
  • Asiatische Hornisse (Vespa velutina) – Umweltbundesamt
  • Die Mär von den todbringenden Hornissen – wissenschaft.de
  • Pressemitteilung Artenschutz Hornisse – Altmarkkreis Salzwedel

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