Wespen

Vespula germanica, Vespula vulgaris, Vespa crabro

Wespen und Wespennest: Deutsche und Gemeine Wespe von Hornisse unterscheiden, Artenschutz beachten, Stiche vorbeugen und richtig handeln, wenn ein Nest stört.

Stand: 29.10.2026

Gemeine Wespe (Vespula vulgaris)Bildnachweis: © Soebe · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
Gemeine Wespe (Vespula vulgaris)

Wespen werden im Spätsommer lästig, weil ihre Völker dann am größten sind und die Arbeiterinnen nach Süßem suchen. Ein Wespennest am Haus ist meist kein Grund zur Bekämpfung: Das Volk stirbt im Herbst von selbst ab. Wespen und ihre Nester sind gesetzlich geschützt, Hornissen sogar besonders – eine Entfernung gehört nur bei echter Gefahr in die Hände von Fachleuten.

Was sind Wespen?

Wespen sind staatenbildende Insekten aus der Familie der Faltenwespen. Lästig am Kaffeetisch werden fast ausschließlich zwei Arten der Kurzkopfwespen: die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). Andere Arten wie Sächsische Wespe, Mittlere Wespe oder Feldwespen interessieren sich kaum für menschliche Speisen und gelten als friedlich.

Die Hornisse (Vespa crabro) ist die größte heimische Wespenart. Sie ist ruhig, meidet Menschen und jagt vor allem andere Insekten. Seit einigen Jahren breitet sich zudem die eingeschleppte Asiatische Hornisse (Vespa velutina) aus, die für Honigbienen ein Problem ist; Funde können vielerorts den Naturschutzbehörden gemeldet werden.

Aussehen: So erkennt man Wespen

  • Deutsche und Gemeine Wespe: Arbeiterinnen etwa 11 bis 16 Millimeter, Königinnen bis etwa 20 Millimeter. Leuchtend schwarz-gelb gezeichnet, kaum behaart, deutliche Wespentaille. Unterscheiden lassen sich beide Arten an der Gesichtszeichnung: Die Deutsche Wespe hat meist drei kleine schwarze Punkte, die Gemeine Wespe einen ankerförmigen schwarzen Strich.
  • Hornisse: Arbeiterinnen etwa 18 bis 25 Millimeter, Königinnen bis etwa 35 Millimeter. Kopf und Brust rotbraun bis schwarz, Hinterleib gelb mit braunen Bändern, tiefes Fluggeräusch.
  • Asiatische Hornisse: etwas kleiner als die heimische Hornisse, überwiegend dunkel mit einem gelborangen Hinterleibsring und gelben Beinenden.
Königin der Deutschen Wespe (Vespula germanica)Bildnachweis: © Soebe · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
Königin der Deutschen Wespe (Vespula germanica)
Wespennest im AufbauBildnachweis: © IgorArenz · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
Wespennest im Aufbau

Lebensweise und Entwicklung

Ein Wespenstaat besteht nur eine Saison. Im Frühjahr gründet eine überwinterte Königin allein ein kleines Nest aus Papier, das sie aus zerkautem Holz herstellt. Sobald die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, übernehmen diese Nestbau und Brutpflege. Im Hochsommer und Spätsommer erreicht ein Volk der Kurzkopfwespen oft mehrere Tausend Tiere.

Die Larven werden mit zerkauten Insekten gefüttert, weshalb Wespen im Garten viele Fliegen, Raupen und Mücken erbeuten. Die erwachsenen Tiere selbst ernähren sich von Zuckerhaltigem. Gegen Ende des Sommers suchen die Arbeiterinnen vermehrt Süßes an Kuchen, Obst und Getränken. Im Herbst entstehen junge Königinnen und Männchen, das alte Volk stirbt, und nur die begatteten Jungköniginnen überwintern. Ein verlassenes Nest wird im nächsten Jahr nicht wieder bezogen.

Wo kommen Wespen vor?

Deutsche und Gemeine Wespen nisten in dunklen Hohlräumen: in Erdlöchern, alten Mäusenestern, Rollladenkästen, Dachböden, Zwischendächern, Gartenhäusern und Hohlwänden. Hornissen bevorzugen Baumhöhlen, Nistkästen, Schuppen und Dachböden. Freihängende Nester an Ästen oder unter Dachvorsprüngen stammen meist von friedlicheren Arten.

Befall erkennen: typische Anzeichen

  • regelmäßiger Flugverkehr an einer Stelle, etwa einer Mauerritze, einem Rollladenkasten oder einem Erdloch,
  • ein graues bis bräunliches, papierartiges Nest mit Flugloch,
  • Kratz- und Knistergeräusche in Wänden oder Rollladenkästen,
  • feine Schabspuren an Holzzäunen und Gartenmöbeln, wo Wespen Nestmaterial abraspeln,
  • im Spätsommer viele Wespen an Speisen, Fallobst und Mülltonnen.

Verwechslungsgefahr

Schwebfliegen sind ebenfalls gelb-schwarz gezeichnet, haben aber nur zwei Flügel, große Augen, keine Taille und stehen oft in der Luft; sie stechen nicht. Honigbienen sind kleiner, braun und deutlich behaart. Hummeln sind rundlich und pelzig. Große, braun-gelbe Tiere sind meist Hornissen, die mit dem Kaffeetisch wenig im Sinn haben. Bienen, Hummeln und Hornissen sind besonders geschützt.

Sind Wespen gefährlich?

Für die meisten Menschen ist ein Wespenstich schmerzhaft, aber harmlos: Es bilden sich Rötung, Schwellung und Juckreiz, die nach einigen Tagen abklingen. Kühlen hilft. Wespen können anders als Honigbienen mehrfach stechen. Ernst wird es bei:

  • Insektengiftallergie: Atemnot, Schwindel, Kreislaufprobleme, Schwellungen an anderen Körperstellen oder großflächiger Ausschlag sind ein Notfall – sofort den Notruf 112 wählen.
  • Stichen im Mund- und Rachenraum: Die Schwellung kann die Atemwege verengen; kühlen und umgehend ärztliche Hilfe rufen.
  • vielen Stichen gleichzeitig, vor allem bei Kindern und älteren Menschen.

Allergiker sollten mit ihrem Arzt über ein Notfallset und eine mögliche Hyposensibilisierung sprechen. Hornissenstiche sind entgegen verbreiteter Mythen nicht gefährlicher als Wespenstiche.

Rechtlich gilt: Wespen sind wild lebende Tiere und durch das Naturschutzrecht geschützt. Sie dürfen nicht ohne vernünftigen Grund getötet und ihre Nester nicht ohne vernünftigen Grund zerstört werden. Hornissen sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt; ihre Nester zu entfernen oder umzusiedeln bedarf in der Regel einer Genehmigung der Naturschutzbehörde. Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden.

Vorbeugen

  • Speisen und Getränke im Freien abdecken, aus Gläsern statt Dosen trinken, Trinkhalme verwenden.
  • Fallobst aufsammeln, Mülltonnen geschlossen halten.
  • Fliegengitter an Fenstern anbringen.
  • Im Frühjahr Rollladenkästen, Lüftungsöffnungen und Dachritzen kontrollieren und abdichten, bevor eine Königin dort ein Nest gründet.
  • In der Nähe von Wespen ruhig bleiben, nicht pusten oder schlagen; hektische Bewegungen machen Wespen aggressiver.

Bekämpfung

Bei Wespen gilt: Abwarten ist meist die beste Lösung. Ein Nest an wenig genutzter Stelle stört bis zum Herbst kaum, wenn man einige Meter Abstand hält und die Flugschneise nicht verstellt. Danach stirbt das Volk ab, und das leere Nest kann im Winter entfernt werden.

Wenn ein Nest wirklich stört – etwa direkt am Eingang, im Kinderzimmerfenster, am Spielplatz oder bei einem Allergiker im Haushalt –, sind folgende Wege möglich:

  • Umsiedeln des Nestes durch Fachleute, etwa Imker, Wespenberater der Naturschutzverbände oder Schädlingsbekämpfer.
  • Flugloch umleiten oder Schutzgitter anbringen, damit die Tiere nicht mehr in Wohnräume gelangen.
  • Abtöten nur, wenn eine akute Gefahr besteht und keine mildere Lösung möglich ist. Dafür werden Insektizide als Spray, Schaum oder Staub direkt ins Flugloch eingebracht. Wegen der Stichgefahr, der oft schwer zugänglichen Nester und des Artenschutzes ist das eine Aufgabe für Schädlingsbekämpfer.

Bei Hornissen gilt das besonders: Sie dürfen ohne Genehmigung weder getötet noch umgesiedelt werden. Wenden Sie sich an die untere Naturschutzbehörde Ihres Kreises oder Ihrer Stadt.

Wespenfallen mit Lockflüssigkeit fangen wahllos auch andere Insekten und können zusätzliche Wespen anlocken; sie sind deshalb nicht empfehlenswert. Verwenden Sie Biozidprodukte nur laut Etikett und Gebrauchsanweisung und beachten Sie die Hinweise im Sicherheitsdatenblatt. Versuchen Sie niemals, ein Nest selbst abzuschlagen, auszuräuchern oder mit Wasser zu fluten.

Häufige Fragen

Darf ich ein Wespennest selbst entfernen?

Nur mit einem vernünftigen Grund, und selbst dann ist es wegen der Stichgefahr nicht ratsam. Hornissennester dürfen ohne Genehmigung der Naturschutzbehörde gar nicht entfernt werden. Beauftragen Sie Fachleute, die vorher die Art bestimmen.

Wann sterben Wespen im Herbst?

Das Volk stirbt meist im Laufe des Herbstes, oft mit den ersten kalten Nächten. Nur die jungen Königinnen überwintern an geschützten Orten. Ein leeres Nest wird im nächsten Jahr nicht wieder bezogen.

Was tun nach einem Wespenstich?

Die Stichstelle kühlen und nicht kratzen. Bei Atemnot, Schwindel oder Schwellungen an anderen Körperstellen sofort den Notruf 112 wählen, ebenso bei Stichen im Mund oder Rachen. Bleibt eine starke Schwellung über Tage bestehen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wie unterscheide ich Wespe und Hornisse?

Hornissen sind deutlich größer, haben einen rotbraunen Kopf und eine rotbraune Brust und kommen kaum an Speisen. Wespen sind kleiner und leuchtend schwarz-gelb gezeichnet. Hornissen sind friedlich und besonders geschützt.

Warum sind Wespen im Spätsommer so aggressiv?

Im Spätsommer werden weniger Larven aufgezogen, die Arbeiterinnen bekommen weniger Zuckersaft aus dem Nest und suchen deshalb Süßes bei Menschen. Zudem ist das Volk dann am größten. Ruhiges Verhalten und abgedeckte Speisen verringern das Stichrisiko.

Was hilft gegen Wespen auf der Terrasse?

Speisen und Getränke abdecken, Reste sofort abräumen und Fallobst aufsammeln. Hausmittel wie Kaffeepulver oder Duftöle sind in ihrer Wirkung nicht belegt.