Zecken

Ixodes ricinus, Dermacentor reticulatus, Hyalomma spp.

Zecken entfernen und vorbeugen: Holzbock, Auwaldzecke und Hyalomma erkennen, FSME und Borreliose einschätzen, Wanderröte deuten und sich wirksam schützen.

Stand: 29.10.2026

Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) auf einem GrashalmBildnachweis: © W.alter · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) auf einem Grashalm

Zecken sollten Sie nach einem Stich so früh wie möglich entfernen: mit Zeckenzange, Zeckenkarte oder feiner Pinzette nah an der Haut greifen und langsam gerade herausziehen. In Deutschland ist fast immer der Gemeine Holzbock der Verursacher. Er kann FSME-Viren und Borrelien übertragen – gegen FSME schützt eine Impfung, gegen Borreliose vor allem das schnelle Entfernen.

Was sind Zecken?

Zecken sind Spinnentiere und zählen zu den Milben. Sie ernähren sich vom Blut von Säugetieren, Vögeln und Reptilien und können dabei Krankheitserreger übertragen. In Deutschland sind vor allem diese Arten von Bedeutung:

  • Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus): die mit Abstand häufigste Zecke und wichtigster Überträger von FSME und Borreliose.
  • Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus): breitet sich aus, sticht vor allem Hunde und überträgt bei ihnen die Babesiose.
  • Hyalomma-Zecken (Hyalomma spp.): ursprünglich in Südeuropa, Afrika und Asien heimisch, werden mit Zugvögeln eingetragen und werden in Deutschland vereinzelt gefunden.

Aussehen: So erkennt man Zecken

Zecken durchlaufen drei Stadien, die jeweils Blut saugen: Larve, Nymphe und erwachsenes Tier.

  • Gemeiner Holzbock: Larven etwa einen halben Millimeter groß und sechsbeinig, Nymphen etwa 1 bis 1,5 Millimeter, erwachsene Weibchen nüchtern etwa 3 bis 4 Millimeter mit rotbraunem Hinterleib und dunklem Rückenschild. Vollgesogene Weibchen schwellen auf etwa einen Zentimeter an und werden grau.
  • Auwaldzecke: etwas größer als der Holzbock, mit einem auffällig weiß-braun marmorierten Rückenschild.
  • Hyalomma: deutlich größer, mit langen, hell-dunkel geringelten Beinen; erwachsene Tiere sind schon nüchtern rund einen halben Zentimeter groß.

Die winzigen Nymphen werden besonders leicht übersehen.

Entwicklungsstadien des Gemeinen HolzbocksBildnachweis: WHO · gemeinfrei · Wikimedia Commons
Entwicklungsstadien des Gemeinen Holzbocks
Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus)Bildnachweis: © Christian Fischer · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus)

Lebensweise und Entwicklung

Der Holzbock lauert auf Gräsern, Farnen und im Unterholz, meist in Bodennähe bis etwa Kniehöhe, und lässt sich von vorbeistreifenden Tieren oder Menschen abstreifen. Er fällt nicht von Bäumen. Auf dem Wirt sucht die Zecke oft längere Zeit nach einer geeigneten Stelle, bevor sie sticht. Bevorzugt werden warme, dünne Hautstellen: Kniekehlen, Leisten, Achseln, Haaransatz, hinter den Ohren und bei Kindern der Kopf.

Zecken werden schon bei wenigen Grad über null aktiv; die Hauptsaison reicht etwa von Frühjahr bis Herbst. Eine vollständige Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Tier dauert beim Holzbock meist mehrere Jahre. Hyalomma-Zecken verhalten sich anders: Sie lauern nicht, sondern laufen aktiv auf ihre Wirte zu.

Wo kommen Zecken vor?

Zecken brauchen hohe Luftfeuchtigkeit. Sie finden sich in Wäldern, an Waldrändern, in hohem Gras, Hecken und Parks, aber auch in naturnahen Gärten, in die Wildtiere, Mäuse und Vögel sie eintragen. Hunde und Katzen bringen sie ins Haus. In Wohnungen überlebt der Holzbock wegen der trockenen Luft nicht lange. Eine Ausnahme ist die Braune Hundezecke, die mit Hunden aus Südeuropa eingeschleppt werden und sich in Wohnungen vermehren kann.

Befall erkennen: typische Anzeichen

  • eine kleine, dunkle, festsitzende Erhebung auf der Haut, die sich nicht abwischen lässt,
  • ein kleiner roter Punkt oder eine leichte Rötung an der Einstichstelle,
  • bei Haustieren tastbare Knötchen im Fell, vor allem an Kopf, Ohren und Hals,
  • gehäuft Zecken an Wänden und Fußleisten: Hinweis auf die Braune Hundezecke.

Verwechslungsgefahr

Kleine Nymphen werden für Schmutz oder Muttermale gehalten. In Betten werden Zecken mit Bettwanzen verwechselt, die flach sind, schnell laufen und nachts stechen, auf Haustieren mit Flöhen, die springen. Juckende Stiche nach einem Wiesenaufenthalt ohne sichtbares Tier stammen oft von Herbstgrasmilben, mehr dazu auf der Seite über Milben.

Sind Zecken gefährlich?

Die meisten Zeckenstiche bleiben folgenlos, ein Teil der Zecken trägt jedoch Krankheitserreger. Die zwei wichtigsten in Deutschland sind:

  • FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis): eine Viruserkrankung, die zunächst grippeähnlich verläuft und in einem Teil der Fälle Hirnhaut, Gehirn oder Rückenmark befällt. Das Virus wird schon kurz nach dem Stich übertragen. Risikogebiete liegen vor allem in Süddeutschland, weitere Gebiete kommen hinzu; das Robert Koch-Institut veröffentlicht sie regelmäßig. Gegen FSME gibt es eine wirksame Impfung, die die Ständige Impfkommission für Menschen in Risikogebieten mit Zeckenkontakt empfiehlt. Lassen Sie sich hausärztlich beraten.
  • Lyme-Borreliose: eine bakterielle Infektion, die in ganz Deutschland vorkommt. Das Übertragungsrisiko steigt mit der Saugdauer, weshalb frühes Entfernen schützt. Typisches Frühzeichen ist die Wanderröte: eine sich ringförmig ausbreitende Rötung um die Stichstelle, die Tage bis Wochen nach dem Stich erscheint und oft in der Mitte abblasst. Später können Gelenke, Nerven oder Haut betroffen sein. Eine Impfung für Menschen gibt es nicht; die Erkrankung wird mit Antibiotika behandelt.

Gehen Sie zum Arzt, wenn sich eine Wanderröte zeigt, wenn nach einem Stich Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen auftreten oder wenn sich Reste der Zecke nicht entfernen lassen und sich die Stelle entzündet. Für Hunde ist zudem die durch die Auwaldzecke übertragene Babesiose gefährlich; hier ist der Tierarzt der richtige Ansprechpartner. Hyalomma-Zecken können in ihren Herkunftsgebieten weitere Erreger übertragen.

Vorbeugen

  • Lange, helle Kleidung tragen, auf der Zecken gut sichtbar sind; die Hosenbeine in die Socken stecken.
  • Nach jedem Aufenthalt im Freien Körper und Kleidung gründlich absuchen, Kleidung ausschütteln oder waschen.
  • Rasen kurz halten, Laub und Gestrüpp am Gartenrand reduzieren.
  • Haustiere nach Spaziergängen kontrollieren und tierärztlich beraten lassen.
  • Bei Aufenthalten in Risikogebieten die FSME-Impfung prüfen.

Bekämpfung

Bei Zecken steht der persönliche Schutz im Vordergrund, nicht die Bekämpfung in der Fläche.

Zecke richtig entfernen:

  1. Zecke mit Zeckenzange, Zeckenkarte oder spitzer Pinzette möglichst nah an der Haut an den Mundwerkzeugen fassen.
  2. Langsam und gleichmäßig gerade herausziehen, ohne den vollgesogenen Hinterleib zu quetschen. Leichtes Hin- und Herbewegen kann helfen.
  3. Keine Öle, keinen Klebstoff, keinen Nagellack und kein Feuer verwenden: Sie reizen die Zecke und können die Übertragung von Erregern begünstigen.
  4. Die Stichstelle desinfizieren und einige Wochen beobachten; das Datum notieren. Ein zurückgebliebener kleiner Rest ist meist unproblematisch und wird vom Körper abgestoßen.

Repellentien: Mittel zum Auftragen auf Haut oder Kleidung halten Zecken für einige Stunden fern. Verbreitete Wirkstoffe sind zum Beispiel Icaridin und DEET. Gegen Zecken ist die Schutzdauer oft kürzer als gegen Mücken. Nicht alle Mittel sind für Kleinkinder geeignet; beachten Sie die Gebrauchsanweisung. Es gibt außerdem Kleidung, die mit einem Insektizid behandelt ist.

Haustiere: Für Hunde und Katzen gibt es Tierarzneimittel gegen Zecken. Lassen Sie sich tierärztlich beraten. Manche Wirkstoffe für Hunde sind für Katzen hochgiftig – verwenden Sie Hundepräparate niemals bei Katzen.

Im Garten und im Haus: Ein flächiger Einsatz von Biozidprodukten im Garten ist wenig sinnvoll und belastet andere Tiere. Vermehrt sich die Braune Hundezecke in der Wohnung, sollte ein Schädlingsbekämpfer Verstecke und Ritzen gezielt behandeln, abgestimmt mit der tierärztlichen Behandlung des Hundes.

Häufige Fragen

Wie entferne ich eine Zecke richtig?

Fassen Sie die Zecke mit Zeckenzange, Zeckenkarte oder Pinzette direkt an der Haut und ziehen Sie sie langsam gerade heraus. Quetschen Sie den Körper nicht und verzichten Sie auf Öl oder Klebstoff. Desinfizieren Sie danach die Stelle und beobachten Sie sie einige Wochen.

Was tun, wenn der Kopf der Zecke stecken bleibt?

Meist bleibt nur ein Teil des Stechapparats zurück, nicht der Kopf, und wird vom Körper abgestoßen. Entzündet sich die Stelle, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wie sieht eine Wanderröte aus?

Die Wanderröte ist eine Rötung, die sich Tage bis Wochen nach dem Stich ringförmig um die Einstichstelle ausbreitet und häufig in der Mitte blasser wird. Sie juckt oder schmerzt meist kaum. Bei diesem Zeichen sollten Sie zeitnah ärztlichen Rat einholen.

Braucht man eine FSME-Impfung?

Empfohlen wird sie für Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben oder dorthin reisen und Kontakt zu Zecken haben können. Ob eine Impfung für Sie sinnvoll ist, klärt Ihre Hausarztpraxis. Gegen Borreliose schützt die FSME-Impfung nicht.

Wann sind Zecken aktiv?

Hauptsaison ist etwa von Frühjahr bis Herbst. In milden Wintern können Zecken jedoch schon bei wenigen Grad über null aktiv werden. Die Auwaldzecke ist auch in der kühleren Jahreszeit unterwegs.