Bettwanzen

Cimex lectularius

Bettwanzen erkennen: Aussehen, Bisse, typische Spuren, Verstecke und wirksame Bekämpfung – sachlich erklärt, mit Tipps zum Vorbeugen nach der Reise.

Stand: 29.10.2026

Erwachsene Bettwanze (Cimex lectularius) nach einer BlutmahlzeitBildnachweis: Piotr Naskrecki / CDC · gemeinfrei · Wikimedia Commons
Erwachsene Bettwanze (Cimex lectularius) nach einer Blutmahlzeit

Bettwanzen sind etwa apfelkerngroße, flache Insekten, die sich vom Blut schlafender Menschen ernähren. Sie verstecken sich tagsüber in Ritzen rund um das Bett und kommen nachts zum Stechen hervor. Ein Befall hat nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun, lässt sich aber ohne gezieltes Vorgehen nur schwer wieder beseitigen.

Was sind Bettwanzen?

Die Gemeine Bettwanze (Cimex lectularius) gehört zu den Wanzen (Heteroptera) und damit zu den Insekten mit stechend-saugenden Mundwerkzeugen. Sie ist ein reiner Blutsauger und hat sich über lange Zeit eng an den Menschen angepasst. In tropischen und subtropischen Regionen kommt zusätzlich die Tropische Bettwanze (Cimex hemipterus) vor, die gelegentlich eingeschleppt wird.

Aussehen: So erkennt man Bettwanzen

  • Erwachsene Tiere: etwa 4 bis 6 mm lang, oval, stark abgeflacht, rotbraun. Nach einer Blutmahlzeit schwellen sie deutlich an, werden länglicher und dunkler rot.
  • Flügel: nur winzige Flügelstummel, Bettwanzen können weder fliegen noch springen.
  • Larven (Nymphen): je nach Stadium etwa 1 bis 4,5 mm, anfangs fast durchsichtig bis gelblich-weiß; frisch gesaugt wirken sie leuchtend rot.
  • Eier: etwa 1 mm, perlweiß, länglich, mit einem kleinen Deckel; sie werden einzeln oder in kleinen Gruppen an raue Oberflächen geklebt.
Bettwanzenstiche auf dem RückenBildnachweis: © James Heilman, MD · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
Bettwanzenstiche auf dem Rücken
Bettwanzen mit Kotpunkten in einer Holzfuge am BettgestellBildnachweis: © Mitumial · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Bettwanzen mit Kotpunkten in einer Holzfuge am Bettgestell

Lebensweise und Entwicklung

Bettwanzen durchlaufen eine unvollständige Verwandlung: Aus dem Ei schlüpft eine Larve, die dem erwachsenen Tier bereits ähnelt. Sie häutet sich fünfmal und braucht vor jeder Häutung eine Blutmahlzeit. Bei Zimmertemperatur um 22 bis 25 Grad dauert die Entwicklung vom Ei zum erwachsenen Tier meist etwa sechs bis acht Wochen, bei kühleren Temperaturen deutlich länger. Unter etwa 13 Grad kommt die Entwicklung weitgehend zum Stillstand.

Ein Weibchen legt mehrere Eier pro Tag und im Laufe seines Lebens bis zu mehrere hundert. Erwachsene Tiere können mehrere Monate ohne Nahrung überleben, unter kühlen Bedingungen noch länger. Das erklärt, warum leerstehende Wohnungen oder gelagerte Möbel befallen bleiben.

Bettwanzen sind überwiegend nachtaktiv. Sie finden ihren Wirt über die ausgeatmete Kohlendioxid-Luft und die Körperwärme. Eine Mahlzeit dauert meist nur wenige Minuten, danach ziehen sich die Tiere wieder in ihr Versteck zurück.

Wo kommen Bettwanzen vor?

Bettwanzen leben dort, wo Menschen schlafen: in Wohnungen, Hotels, Wohnheimen, Pflegeeinrichtungen, Ferienunterkünften, aber auch in Nachtzügen oder Reisebussen. Typische Verstecke sind:

  • Matratzennähte, Lattenrost und Bettrahmen, besonders Fugen und Schraublöcher
  • Ritzen hinter Fußleisten, Bilderrahmen, Steckdosenabdeckungen und abstehenden Tapeten
  • Nachttische, Polstermöbel, Vorhangfalten
  • Koffer, Taschen und Kartons in Schlafzimmernähe

Eingeschleppt werden Bettwanzen fast immer passiv: im Reisegepäck, mit gebrauchten Möbeln und Matratzen, in Second-Hand-Kleidung oder bei Umzügen. In Mehrfamilienhäusern können sie sich über Leitungsschächte und Wandritzen in Nachbarwohnungen ausbreiten.

Befall erkennen: typische Anzeichen

  • Stiche: juckende Quaddeln, oft in Reihen oder Gruppen („Wanzenstraße“) an unbedeckten Körperstellen wie Armen, Schultern, Hals oder Beinen
  • Kotspuren: schwarze, punktförmige Flecken an Matratzennähten, am Bettrahmen oder an der Wand, die beim Darüberwischen mit einem feuchten Tuch verschmieren
  • Blutflecken: kleine rostrote Flecken auf Bettlaken oder Kissen
  • Häutungsreste: leere, hellbraune Larvenhüllen in Verstecken
  • Eier: weiße Eier in Ritzen und Nähten
  • Geruch: süßlich-muffiger Geruch aus den Stinkdrüsen bei stärkerem Befall
  • lebende Tiere: am ehesten nachts oder frühmorgens mit einer Taschenlampe am Bett zu finden

Stiche allein beweisen nichts, da nicht jeder Mensch sichtbar reagiert. Verlässlicher sind Funde von Tieren, Kot oder Häutungsresten.

Verwechslungsgefahr

Bettwanzen werden oft mit verwandten Schwalben- oder Fledermauswanzen verwechselt, die Menschen nur ausnahmsweise stechen, meist wenn ihre Wirte das Nest verlassen haben. Ähnlich wirken junge Schaben und Larven von Teppichkäfern. Auch Flöhe kommen infrage, springen aber deutlich und stechen meist an den Beinen. Die Stiche werden oft für Mückenstiche, Hautreaktionen durch Milben oder Allergien gehalten. Im Zweifel hilft es, ein Tier mit Klebeband zu sichern und bestimmen zu lassen.

Sind Bettwanzen gefährlich?

Nach heutigem Kenntnisstand übertragen Bettwanzen keine Krankheiten auf den Menschen. Die Stiche können jedoch stark jucken, und durch Kratzen können sich die Hautstellen entzünden. Manche Menschen reagieren allergisch mit großflächigen Schwellungen. Bei starken Hautreaktionen, Anzeichen einer Infektion oder allergischen Beschwerden sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Hinzu kommt die psychische Belastung mit Schlafstörungen. Materialschäden verursachen Bettwanzen nicht, abgesehen von Flecken durch Kot und Blut.

Vorbeugen

  • Auf Reisen das Bett, die Matratzennähte und das Kopfteil kurz mit einer Taschenlampe kontrollieren.
  • Koffer nicht aufs Bett oder auf den Boden stellen, sondern auf eine Gepäckablage.
  • Nach der Rückkehr Kleidung möglichst bei 60 Grad waschen oder heiß trocknen, Koffer prüfen und absaugen.
  • Gebrauchte Möbel, Matratzen und Bilderrahmen vor dem Hineintragen gründlich untersuchen.
  • Ritzen am Bettgestell und hinter Fußleisten verschließen, Unordnung rund ums Bett reduzieren.

Bekämpfung

Bewährt hat sich die Kombination mehrerer Verfahren mit Erfolgskontrolle über mehrere Wochen.

Nicht-chemische Verfahren

  • Wärme: Alle Stadien einschließlich der Eier sterben bei ausreichend langer Einwirkung von Temperaturen ab etwa 45 bis 50 Grad. Textilien werden bei mindestens 60 Grad gewaschen oder im Trockner heiß getrocknet. Professionelle Wärmebehandlungen erhitzen ganze Räume kontrolliert.
  • Kälte: Kleinere Gegenstände können mehrere Tage bei mindestens minus 18 Grad eingefroren werden. Normale Gefrierfächer erreichen diese Temperatur nicht immer zuverlässig.
  • Staubsaugen: Gezieltes Absaugen von Nähten und Ritzen reduziert die Zahl der Tiere. Den Beutel anschließend dicht verschlossen entsorgen.
  • Matratzenhüllen und Barrieren: Dichte Encasings schließen Tiere in der Matratze ein; Fallen unter den Bettfüßen dienen vor allem der Kontrolle.

Biozide

Als Insektizide kommen bei Bettwanzen vor allem Kontaktmittel zum Einsatz, die als Spray oder Sprühlösung in Verstecke ausgebracht werden. Daneben gibt es Puder und Stäubemittel, etwa auf Basis von Kieselgur, die mechanisch wirken, indem sie die Wachsschicht der Insekten schädigen. Fraßköder spielen bei Blutsaugern keine Rolle. Einen Überblick über die Wirkprinzipien gibt der Ratgeber Köder, Kontakt- und Fraßmittel.

Wichtig: Bettwanzen sind in vielen Regionen gegen verbreitete Wirkstoffgruppen, insbesondere Pyrethroide, resistent. Jedes Biozidprodukt darf nur gemäß Etikett und Gebrauchsanweisung angewendet werden; Matratzen und Bettwäsche sind oft ausdrücklich ausgenommen.

Wann zum Schädlingsbekämpfer?

Bei Bettwanzen ist eine professionelle Bekämpfung in den meisten Fällen sinnvoll, besonders in Mehrfamilienhäusern, Hotels und Einrichtungen. Fachbetriebe verfügen über die nötige Sachkunde, Wärmetechnik und Mittel, die nur für berufsmäßige Verwender zugelassen sind.

Häufige Fragen

Woher kommen Bettwanzen plötzlich?

In aller Regel wurden sie eingeschleppt, meist unbemerkt im Gepäck nach einer Reise, mit gebrauchten Möbeln oder über eine befallene Nachbarwohnung. Da Bettwanzen lange ohne Nahrung auskommen, kann der Befall erst Wochen später auffallen.

Wie sehen Bettwanzenbisse aus?

Es handelt sich genau genommen um Stiche: rote, oft stark juckende Quaddeln, häufig in einer Reihe oder in kleinen Gruppen. Sie treten vor allem an Körperstellen auf, die nachts unbedeckt sind. Das Aussehen allein erlaubt keine sichere Unterscheidung von anderen Insektenstichen.

Wie lange überleben Bettwanzen ohne Blut?

Erwachsene Tiere überleben meist mehrere Monate ohne Blutmahlzeit, bei niedrigen Temperaturen auch länger. Bloßes Leerstehenlassen einer Wohnung beseitigt einen Befall daher in der Regel nicht.

Helfen 60 Grad in der Waschmaschine gegen Bettwanzen?

Ja, ein Waschgang bei mindestens 60 Grad tötet Bettwanzen und ihre Eier in Textilien zuverlässig ab. Auch heißes Trocknen im Trockner ist wirksam. Das löst allerdings nur das Problem in der Wäsche, nicht in Bett, Möbeln und Wandritzen.

Kann ich Bettwanzen selbst bekämpfen?

Einzelne Maßnahmen wie Waschen, Einfrieren und Absaugen können Sie selbst durchführen. Einen etablierten Befall vollständig zu beseitigen, gelingt erfahrungsgemäß ohne Fachbetrieb selten, auch wegen verbreiteter Resistenzen gegen gängige Wirkstoffe.