Tauben
Columba livia f. domestica
Tauben am Haus: Stadttauben, Taubenkot und Parasiten wie Taubenzecke und Vogelmilbe. Wie Sie Gebäude schützen und warum Gift keine Lösung ist.
Stand: 29.10.2026
Bildnachweis: © AlterVista · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia CommonsStadttauben sind verwilderte Nachkommen von Haustauben, die an Gebäuden brüten und mit ihrem Kot Fassaden, Balkone und Dachböden verschmutzen. Die richtige Antwort ist bauliche Abwehr durch Netze, Spikes oder Spanndrähte – fachgerecht montiert – sowie das Entfernen von Futterquellen; Gift ist keine zulässige Lösung.
Was sind Tauben?
Die Stadttaube (Columba livia f. domestica) stammt von der Felsentaube ab, die an Klippen und in Felsnischen brütet. Über Jahrtausende wurde sie als Haus-, Brief- und Rassetaube gezüchtet; entflogene und ausgesetzte Tiere bilden die heutigen Stadttaubenbestände. Gebäude mit Simsen, Nischen und Dachüberständen ersetzen ihnen die Felsenküste ihrer wilden Vorfahren. Wildlebende Arten wie Ringeltaube oder Türkentaube brüten dagegen in Bäumen und verursachen an Gebäuden kaum Probleme.
Aussehen: So erkennt man Tauben
- Größe: etwa 30 bis 35 Zentimeter lang, Flügelspannweite rund 60 bis 70 Zentimeter.
- Gewicht: meist zwischen 250 und 400 Gramm.
- Gefieder: sehr variabel, häufig blaugrau mit zwei dunklen Flügelbinden, schillerndem Hals und weißem Bürzel; daneben gibt es dunkle, gescheckte, rotbraune oder weiße Tiere.
- Jungvögel: wirken matter, haben noch keinen schillernden Halsglanz und eine weichere Wachshaut über dem Schnabel.
- Ringeltaube zum Vergleich: größer, mit weißem Halsfleck und weißen Flügelfeldern im Flug.
Bildnachweis: © Aiwok · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia CommonsLebensweise und Entwicklung
Stadttauben sind standorttreu und leben in Schwärmen. Sie sind tagaktiv, suchen ihre Nahrung am Boden und kehren abends zu festen Schlaf- und Brutplätzen zurück. Ihre Nester sind locker gebaute Mulden aus Zweigen und Halmen in Nischen, auf Balken, hinter Leuchtreklamen oder auf Balkonen. Ein Gelege besteht meist aus zwei Eiern, die etwa zweieinhalb Wochen bebrütet werden. Da die Tiere aus Haustauben gezüchtet wurden, können sie fast ganzjährig brüten und mehrere Bruten pro Jahr aufziehen. Ihre natürliche Nahrung sind Körner und Sämereien; in der Stadt leben sie häufig von Brotresten und Abfällen, was ihnen gesundheitlich schadet.
Wo kommen Tauben vor?
- Fenstersimse, Fassadenvorsprünge, Gesimse und Dachrinnen
- Balkone, besonders ungenutzte oder mit Pflanzkübeln und Gerümpel
- Dachböden, Kirchtürme und Lüftungsöffnungen
- Brücken, Bahnhöfe, Parkhäuser und Industriehallen
- Innenhöfe, Plätze und Fußgängerzonen mit reichlich Futterangebot
Befall erkennen: typische Anzeichen
- regelmäßiges Gurren und Flügelschlagen am frühen Morgen
- Kotansammlungen auf Simsen, Balkonen und unter Brut- oder Ruheplätzen
- Federn, Nistmaterial und Eierschalen in Nischen und auf Balkonen
- verstopfte Dachrinnen und Abläufe
- Tauben, die immer wieder an dieselbe Stelle anfliegen
- in Wohnungen nahe aufgegebener Nistplätze: Stiche oder kleine, rötliche Milben und Zecken an Fensterrahmen und Wänden
Verwechslungsgefahr
Ringel- und Türkentauben werden häufig mit Stadttauben verwechselt, brüten aber in Bäumen und nur selten an Gebäuden. Kotspuren und Geräusche am Dach können auch von anderen Vögeln oder von Mardern stammen. Nächtliche Stiche in Wohnungen nahe Taubennestern werden oft für Bettwanzen oder Flöhe gehalten, stammen aber mitunter von Taubenzecken oder Vogelmilben.
Sind Tauben gefährlich?
Von gesunden Tauben geht im normalen Alltag nur ein geringes Gesundheitsrisiko aus. Problematisch wird es bei großen Kotmengen und an aufgegebenen Brutplätzen:
- Taubenkot: Er enthält Harnsäure, greift Stein, Metall und Lack an und macht Flächen rutschig. Getrockneter Kot kann Staub bilden, in dem Krankheitserreger wie die Erreger der Ornithose oder bestimmte Pilze vorkommen können. Eine Übertragung auf Menschen ist selten; gefährdet sind vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Personen, die ungeschützt große Mengen Kot beseitigen.
- Taubenzecke (Argas reflexus): eine Lederzecke, die nachts Blut saugt. Verlassen die Tauben den Nistplatz, können die Zecken in angrenzende Wohnungen wandern und Menschen stechen. Bei empfindlichen Personen sind starke allergische Reaktionen möglich. Mehr zu Zecken allgemein unter Zecken.
- Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) und andere Vogelmilben: Sie verursachen juckende Hautreaktionen, wenn sie mangels Vögeln auf Menschen ausweichen, siehe Milben.
Bei auffälligen Hautreaktionen, Fieber oder Atemwegsbeschwerden nach Kontakt mit Taubenkot oder Nestern sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Vorbeugen
- Tauben nicht füttern: Futter ist der wichtigste Grund für große Bestände. Viele Städte und Gemeinden haben Fütterungsverbote erlassen, deren Missachtung mit einem Bußgeld geahndet werden kann; die Regelungen sind je nach Kommune unterschiedlich.
- Essensreste, offene Mülltonnen und Vogelfutter auf dem Balkon vermeiden.
- Balkone regelmäßig nutzen und Nistmaterial früh entfernen, solange noch keine Eier im Nest liegen.
- Lüftungsöffnungen und Zugänge zu Dachböden mit Gittern sichern.
- Bei Neubau und Sanierung möglichst keine offenen Nischen und Simse schaffen.
Bekämpfung
Bei Stadttauben geht es nicht um Bekämpfung im Sinne des Tötens, sondern um Abwehr. Das Tierschutzgesetz verbietet, Tieren ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Gift gegen Tauben ist unzulässig und gefährdet zudem Greifvögel, Haustiere und Kinder. Auch Klebepasten, an denen Vögel festkleben, gelten als tierschutzwidrig.
Bauliche Abwehr:
- Netze: schließen Innenhöfe, Nischen, Balkone oder Dachbereiche vollständig ab.
- Spikes: Kunststoff- oder Edelstahlstäbe auf Simsen verhindern das Landen; sie müssen stumpf und fachgerecht verlegt sein, damit sich Vögel nicht verletzen.
- Spanndrähte: gespannte Drähte auf Vorsprüngen nehmen den Tauben den sicheren Halt.
- Elektrische Abwehrsysteme: geben einen schwachen Impuls ab und sind vor allem für größere Gebäude gedacht.
- Schrägen und Abdeckungen auf Simsen.
Diese Maßnahmen sollten von Fachbetrieben geplant und montiert werden, weil fehlerhaft angebrachte Netze und Spikes Vögel verletzen oder einschließen können. Vor dem Verschließen ist sicherzustellen, dass keine Tauben, Jungvögel oder Eier mehr hinter der Abwehr sind.
Reinigung und Parasiten: Kot vor dem Entfernen anfeuchten, um Staubbildung zu vermeiden, und dabei Handschuhe, Atemschutz und Schutzkleidung tragen. Größere Kotmengen, etwa auf Dachböden, sowie der Befall angrenzender Räume mit Taubenzecken oder Vogelmilben gehören in die Hände eines Fachbetriebs. Gegen die Parasiten können nach der Reinigung zugelassene Biozidprodukte in Form von Sprühmitteln eingesetzt werden; die Anwendung erfolgt dabei ausschließlich gemäß Etikett.
Kommunale Konzepte: In vielen Städten werden betreute Taubenschläge eingerichtet, in denen die Tiere artgerecht gefüttert und ihre Eier gegen Attrappen ausgetauscht werden. So lassen sich Bestände tierschutzgerecht verringern und Gebäude in der Umgebung entlasten.
Häufige Fragen
Was hilft gegen Tauben auf dem Balkon?
Am wirksamsten sind ein Taubennetz oder Spanndrähte an der Brüstung, kombiniert mit dem konsequenten Entfernen von Futter und Nistmaterial. Attrappen von Greifvögeln oder glitzernde Gegenstände wirken meist nur kurz, weil sich Tauben daran gewöhnen. Bei Mietwohnungen sollten bauliche Maßnahmen mit dem Vermieter abgesprochen werden.
Ist Taubenkot gesundheitsschädlich?
Taubenkot kann Krankheitserreger enthalten, eine Übertragung auf Menschen ist jedoch selten. Ein Risiko besteht vor allem beim Einatmen von Staub aus getrocknetem Kot. Feuchten Sie Kot vor dem Entfernen an und tragen Sie Handschuhe und Atemschutz.
Darf man Tauben vergiften?
Nein. Das Vergiften von Tauben verstößt gegen das Tierschutzgesetz und gefährdet andere Tiere sowie Menschen. Zulässig sind nur Abwehrmaßnahmen, die die Vögel nicht verletzen.
Ist das Füttern von Tauben verboten?
In vielen Städten und Gemeinden ja, oft auf Grundlage örtlicher Verordnungen, die Bußgelder vorsehen. Die genauen Regeln sind je nach Kommune unterschiedlich; Auskunft gibt das Ordnungsamt.
Was ist eine Taubenzecke und ist sie gefährlich?
Die Taubenzecke ist eine Lederzecke, die an Taubennistplätzen lebt und nachts Blut saugt. Sie kann nach dem Wegfall der Tauben in Wohnungen wandern und Menschen stechen. Die Stiche können bei empfindlichen Personen starke allergische Reaktionen auslösen; bei Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Wer ist für die Taubenabwehr am Haus zuständig?
Für Maßnahmen am Gebäude ist grundsätzlich der Eigentümer zuständig, in Mietshäusern also der Vermieter oder die Eigentümergemeinschaft. Die Kommune kümmert sich in der Regel um öffentliche Gebäude und Plätze sowie um übergreifende Konzepte wie betreute Taubenschläge.