Schaben

Blattodea

Schaben erkennen und bekämpfen: Deutsche, Orientalische und Amerikanische Schabe im Vergleich, Anzeichen für Kakerlaken, Risiken und Gegenmaßnahmen.

Stand: 29.10.2026

Deutsche Schabe (Blattella germanica)Bildnachweis: © Bagous · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Deutsche Schabe (Blattella germanica)

Schaben, umgangssprachlich auch Kakerlaken genannt, sind lichtscheue, sehr anpassungsfähige Insekten, die sich in warmen Gebäuden das ganze Jahr über vermehren können. Sie gelten als Hygieneschädlinge, weil sie Lebensmittel verunreinigen, Krankheitserreger verschleppen und Allergien auslösen können. Ein Befall wird oft spät bemerkt, da die Tiere tagsüber verborgen bleiben.

Was sind Schaben?

Schaben (Blattodea) sind eine sehr alte Insektengruppe mit weltweit mehreren tausend Arten. Nur wenige davon leben in Gebäuden und sind als Schädlinge von Bedeutung. In Mitteleuropa sind vor allem diese Arten relevant:

  • Deutsche Schabe (Blattella germanica): die häufigste Art in Wohnungen, Küchen, Gastronomie und Lebensmittelbetrieben.
  • Orientalische Schabe (Blatta orientalis): bevorzugt kühlere, feuchte Bereiche wie Keller, Heizungskeller und Abwasserschächte.
  • Braunbandschabe (Supella longipalpa): mag es warm und eher trocken, findet sich oft in Wohnräumen, Möbeln und Elektrogeräten.
  • Amerikanische Schabe (Periplaneta americana): sehr groß, in Mitteleuropa vor allem in beheizten Großgebäuden, Kanalisation, Häfen und Tierhaltungen.

Aussehen: So erkennt man Schaben

  • Deutsche Schabe: etwa 12 bis 15 mm, hellbraun, mit zwei dunklen Längsstreifen auf dem Halsschild; Flügel bei beiden Geschlechtern voll entwickelt, sie fliegt aber kaum.
  • Orientalische Schabe: etwa 20 bis 30 mm, dunkelbraun bis schwarz glänzend; die Weibchen haben nur Flügelstummel, die Männchen verkürzte Flügel.
  • Braunbandschabe: etwa 10 bis 14 mm, hellbraun mit zwei hellen Querbändern über Flügel und Hinterleib.
  • Amerikanische Schabe: etwa 30 bis 45 mm, rotbraun mit hellem Rand am Halsschild, gut flugfähig.

Alle Arten haben einen flachen, ovalen Körper, lange fadenförmige Fühler und kräftige Laufbeine. Die Eier werden in einer festen, bohnenförmigen Eikapsel (Oothek) abgelegt, die je nach Art etwa 15 bis 40 Eier enthält. Die Larven ähneln den erwachsenen Tieren, sind aber kleiner, flügellos und oft dunkler.

Orientalische Schabe (Blatta orientalis)Bildnachweis: CDC · gemeinfrei · Wikimedia Commons
Orientalische Schabe (Blatta orientalis)

Lebensweise und Entwicklung

Schaben durchlaufen eine unvollständige Verwandlung mit mehreren Larvenstadien. Die Deutsche Schabe trägt ihre Oothek bis kurz vor dem Schlupf am Hinterleib mit sich, was die Eier gut schützt. Unter warmen Bedingungen braucht sie vom Ei bis zum erwachsenen Tier nur etwa zwei bis drei Monate und kann mehrere Generationen pro Jahr hervorbringen. Andere Arten setzen die Oothek früher ab und entwickeln sich langsamer, die Orientalische und die Amerikanische Schabe teils über viele Monate.

Schaben sind Allesfresser: Sie fressen Lebensmittelreste, Fett, Krümel, Papier, Kleister, Haare und sogar tote Artgenossen. Wasser ist für sie besonders wichtig. Sie sind überwiegend nachtaktiv und fliehen bei Licht sofort in ihre Verstecke. Wer tagsüber Schaben sieht, hat oft bereits einen größeren Befall.

Wo kommen Schaben vor?

Schaben brauchen Wärme, Feuchtigkeit, Nahrung und enge Spalten. Typische Verstecke sind:

  • Bereiche hinter und unter Kühlschrank, Herd, Spülmaschine und Spüle
  • Hohlräume in Küchenmöbeln, Sockelleisten und Fliesenfugen
  • Motorräume von Elektrogeräten wie Kaffeemaschinen oder Mikrowellen
  • Rohrdurchführungen, Abflüsse, Installations- und Lüftungsschächte
  • Keller, Heizungsräume, Müllräume

Eingeschleppt werden Schaben vor allem mit Kartons, Warenlieferungen, gebrauchten Elektrogeräten, Möbeln und Reisegepäck. In Mehrfamilienhäusern wandern sie über Leitungsschächte zwischen Wohnungen.

Befall erkennen: typische Anzeichen

  • lebende oder tote Tiere, vor allem nachts beim Einschalten des Lichts
  • kleine schwarze Kotkrümel, bei der Deutschen Schabe wie gemahlener Pfeffer, bei großen Arten länglich und größer
  • leere Eikapseln und Häutungsreste in Ritzen
  • ein unangenehm muffig-süßlicher Geruch bei starkem Befall
  • angefressene Lebensmittelverpackungen
  • Tiere auf aufgestellten Klebefallen, die sich gut zur Überwachung eignen

Verwechslungsgefahr

Häufig verwechselt werden Schaben mit Waldschaben, die im Sommer abends ans Licht fliegen, sich in Wohnungen aber nicht vermehren. Auch Käfer wie Laufkäfer, Grillen oder große Bettwanzen werden manchmal für junge Schaben gehalten. Bettwanzen sind jedoch flacher, rotbraun und haben keine langen Fühler. Kotspuren von Schaben können Mäusekot ähneln, der aber deutlich größer ist.

Sind Schaben gefährlich?

Schaben stechen nicht, können Krankheitserreger aber mechanisch verschleppen. Da sie über Abfälle, Abflüsse und anschließend über Lebensmittel und Arbeitsflächen laufen, können sie Bakterien wie Salmonellen oder Schimmelsporen verbreiten. Hinzu kommt ein hohes Allergiepotenzial: Kot, Häutungsreste und Speichel enthalten Allergene, die Asthma und allergische Reaktionen auslösen oder verstärken können. Bei anhaltenden Atemwegsbeschwerden oder Hautreaktionen ist ärztlicher Rat sinnvoll.

In Lebensmittelbetrieben ist ein Schabenbefall zudem ein ernstes Hygieneproblem mit rechtlichen Folgen. Materialschäden entstehen vor allem durch verunreinigte und angefressene Lebensmittel; in Elektrogeräten können Tiere und Kot Störungen verursachen.

Vorbeugen

  • Lebensmittel in dicht schließenden Behältern aufbewahren, Krümel und Fettreste regelmäßig entfernen.
  • Abfall täglich entsorgen, Mülleimer verschlossen halten.
  • Feuchtigkeit vermeiden: tropfende Wasserhähne und undichte Leitungen reparieren, Spüle über Nacht trocken lassen.
  • Ritzen, Fugen und Rohrdurchführungen abdichten.
  • Lieferungen, Kartons und gebrauchte Geräte vor dem Einräumen kontrollieren, Kartons nicht lange lagern.
  • In gefährdeten Bereichen Klebefallen zur Früherkennung aufstellen.

Bekämpfung

Nicht-chemische Verfahren

Gründliche Reinigung und das Entziehen von Nahrung und Wasser sind die Grundlage jeder Schabenbekämpfung. Staubsaugen entfernt Tiere, Eikapseln und Kot aus Ritzen. Klebefallen fangen einzelne Tiere und zeigen, wo die Schaben aktiv sind, beseitigen einen Befall aber nicht. Befallene Kleingeräte können eingefroren werden, sofern das Gerät dies verträgt.

Biozide

Bei Schaben haben sich Fraßgele und Köderdosen bewährt. Die Tiere nehmen den Köder auf, kehren in ihr Versteck zurück und geben den Wirkstoff teilweise über Kot und Kontakt an Artgenossen weiter. Daneben gibt es Kontaktmittel als Spray oder Sprühlösung, Stäubemittel für Hohlräume und Entwicklungshemmer, die die Häutung und Fortpflanzung der Larven stören. Die Unterschiede erklärt der Ratgeber Köder, Kontakt- und Fraßmittel.

Die Deutsche Schabe hat gegen zahlreiche Wirkstoffe Resistenzen entwickelt. Bekannt ist außerdem eine Köderscheu: Manche Populationen meiden bestimmte Zuckerbestandteile in Ködern. Ein Wechsel der Wirkstoffgruppe kann deshalb notwendig sein. Kontaktsprays neben Ködern können die Tiere vertreiben. Jedes Biozidprodukt ist nur nach Etikett und Gebrauchsanweisung anzuwenden.

Wann zum Schädlingsbekämpfer?

Bei größerem Befall, in Mehrfamilienhäusern und in allen gewerblichen Bereichen mit Lebensmitteln ist ein Fachbetrieb mit Sachkunde die richtige Wahl. Er bestimmt die Art, setzt geeignete Mittel gezielt ein und kontrolliert den Erfolg über mehrere Wochen. Welche Mittel welchen Anwendergruppen vorbehalten sind, erklärt der Ratgeber Anwendergruppen und Sachkunde.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Schaben und Kakerlaken?

Es gibt keinen. „Kakerlake“ ist der umgangssprachliche Name für Schaben, oft bezogen auf die großen Arten. Fachlich spricht man von Schaben.

Wie erkenne ich die Deutsche Schabe?

Sie ist etwa 12 bis 15 mm lang, hellbraun und trägt zwei deutliche dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild hinter dem Kopf. Das Weibchen ist oft mit einer hellbraunen Eikapsel am Hinterleib zu sehen.

Bedeutet eine einzelne Schabe schon einen Befall?

Nicht zwingend, aber es ist ein Warnzeichen. Waldschaben fliegen im Sommer gelegentlich herein und sind harmlos. Bei Hausschaben wie der Deutschen Schabe sind selten nur einzelne Tiere vorhanden; Klebefallen über einige Nächte schaffen Klarheit.

Woher kommen Schaben in der Wohnung?

Meist wurden sie mit Kartons, Einkäufen, gebrauchten Geräten oder Möbeln eingeschleppt oder sind über Leitungsschächte aus einer Nachbarwohnung eingewandert. Mangelnde Sauberkeit begünstigt die Vermehrung, ist aber nicht die Ursache für das Auftreten.

Wie lange dauert es, Schaben loszuwerden?

Auch fachgerecht dauert es meist mehrere Wochen, weil Eikapseln gut geschützt sind und nachschlüpfende Larven erfasst werden müssen. Regelmäßige Kontrollen mit Klebefallen zeigen, ob der Befall tatsächlich erloschen ist.